<<



1und1, 2011, Handabzug 1 (Oslo), Handabzug 2 (Dresden), 27 cm x 18 cm
/ 1and1, 2011, hand proof 1 (Oslo), handproof 2 (Dresden), 27 cm x 18 cm
Foto / photo: Anke Mäbert

(...) Die Arbeiten geben auf den ersten Blick keinerlei Unterschied preis, nicht von ungefähr heißen sie „1 und 1“. Beiden liegt dasselbe analog entstandene Negativ zugrunde. Ein Architekturdetail, fotografiert auf einer Reise der Künstlerin in Syrien. Das Negativ ließ sie 2011 in einem Fotolabor in Oslo, Norwegen und in Dresden entwickeln. Bei dem Auftrag legte sie bei der Entwicklung nur die Maße fest. Die interpretatorische Auslegung überließ sie dem Labor. So sind ausgehend von dem Negativ der Künstlerin zwei Fotografien entstanden, welche die ‚Handschriftlichkeit‘ des ausführenden Mitarbeiters im Fotolabor tragen.

Denise Winter thematisiert in „1 und 1“ die Frage nach dem singulären Werkcharakter, indem sie die Unikatsdebatte kritisch aufgreift und dabei auch die Reproduzierbarkeit ihrer eigenen Arbeiten hinterfragt. Das Phänomen der Unwägbarkeit, das zwangsläufig eine entscheidende Rolle bei der Werkentstehung darstellt, ist der jungen Künstlerin bereits bei der Herstellung ihrer gerollten Aluminiumtafeln, in welche Aussparungen gefräst sind, bekannt. Trotz detailgenauen Skizzen und Maßangaben, die sie für alle ihrer Objekte anfertigt, ist die bearbeitete Platte ebenfalls von der maschinellen Handschriftlichkeit des Ausführenden gekennzeichnet. Indem Winter die Entwicklung der Fotografien als dezidiertes Auftragswerk mit offenem Ausgang konzipiert, geht sie einen Schritt weiter als bei den Arbeiten aus Aluminiumplatten. Nun kalkuliert sie das Phänomen der Unwägbarkeit bewusst mit ein, wenn der konzeptionelle Teil der Fotoarbeit eine bislang noch nicht in dieser planerischen Genauigkeit entscheidende Funktion bei der Entstehung einnimmt. Sie schreibt sich in die Traditionslinie der Concept Art ein, indem sie deren künstlerische Vorgehensweisen übernimmt. Zugleich aktualisiert sie diese vor dem Hintergrund der Diskussion um Original und Fälschung, die im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung immer virulenter wird. (...)

Auszug aus dem Text von Gwendolin Kremer zur Eröffnung der Ausstellung SchnittMuster, vollständiger Text: Seite_Text

© Denise Winter